Supergiro Dolomiti – So nah können Sieg und DNF beinander liegen…

Von dem unrühmlichen Ende haben ja schon so einige erfahren. Ich würde den Tag aber trotzdem nicht als “Satz mit x” titulieren, denn ich habe einiges gelernt und zumindest für mich selbst eine gewisse Standortbestimmung bekommen, auch wenn ich es nicht aufs Papier gebracht habe.

Supergiro-Dolomiti-Hoehenprofil

Eigentlich sind es soweit ich gehört habe >5200hm.

Der Start war relativ unspektakulär – bis auf das, dass ich von Othmar Peer nach vorne geholt wurde und nach Monika Dietl und Nadja Prieling ein kleines Pre-race-Interview abgeben durfte. Eine Ehre, obwohl ich natürlich mal wieder meine fehlende Interview-Eloquenz bewiesen habe haha ;) .

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Dann ging’s los und nach schnellen ersten 20km kam der erste kurze Anstieg (Gailberg). Vollgas. Ich absolut am Limit, irgendwie schaffte ich es, an einer guten Gruppe dranzubleiben, sehnte das Ende des blöden kurzen Anstiegs herbei und fragte mich in 20-Sekunden-Abständen, warum ich den Sch..ß mache. Nadja und Mona verabschiedeten sich gleich zu Beginn des Anstiegs nach vorne. Ich wünschte ich könnte sagen, dass ich absichtlich gespart habe und hinten geblieben bin, aber ehrlich gesagt ist da bei mir nicht viel mehr drin gewesen.
Das Motto “Vollgas” setzte sich dann fort im zweiten Anstieg (Plöckenpass), der etwas länger und steiler war, aber wenigstens war es nicht mehr ein absoluter Überlebenskampf wie zu Beginn. Trotzdem zu anstrengend, als dass ich irgendetwas wahrgenommen hätte – zu den ersten drei Stunden kann ich nicht wirklich was sagen außer “Schmerz”. Die Abfahrt war schnell; normalerweise bin ich es gewöhnt, in den Abfahrten vorne zu fahren, aber es waren einige richtig gute Abfahrer dabei (hi Alistair!) und ich war schon froh, dranbleiben zu können.
Supergiro-Dolomiti-Streckenkarte
Dann waren wir auch schon in Italien; immer noch mit der ursprünglichen Gruppe vom Gailberg. Wie zu erwarten wurde die Quälerei von Pass zu Pass milder; ich bin halt der Ausdauertyp… Hier in Italien galt es zuerst einen kurzen Anstieg zu fahren und von Paularo aus dann den Lanzenpass. Alles auf schönen kleinen italienischen Straßen; die Leute feuerten uns euphorisch an – “bravissimi” von allen Seiten – und endlich war der Leidenspegel soweit gesunken, dass ich etwas mitbekam ;) . Am Lanzenpass begann ich dann mit der Zeit, mich tatsächlich wohl zu fühlen und fuhr weiter vorne in der Gruppe, statt auf Leben und Tod hinten dranzuhängen. Der Anstieg war schön, schmale steile Straßen… Ein paar Leute rissen ab. Der Kern der Gruppe blieb; wir hatten einige starke, kontrolliert fahrende Leute dabei und begannen, vereinzelte Fahrer, die offenbar ihre Gruppe verloren hatten, zu überholen. The time of the diesel had come haha ;) .

Ich konnte es nicht recht glauben, als wir schließlich auch an der Vorjahressiegerin Monika Dietl vorbeifuhren, die recht angestrengt wirkte; am Ende des Lanzenpasses erreichten wir auch Nadja.

Und dann änderte sich schlagartig das Wetter… Anfangs war es eigentlich ziemlich warm gewesen und ich erwartete so wie die meisten zu Mittag eine Hitzeschlacht. Aber dann plötzlich: Windböen, strömender Regen, Hagel und Blitze… Bei mir ist im Wettkampfmodus der Angstsensor irgendwie ausgeschalten und ich hatte nichtmal Sorgen wegen der Blitze; nur richtig blöd war, dass meine Brille anschlug, ich mit den dunklen Gläsern kaum etwas sah und wie ein blindes Huhn die ohnehin schwierige Abfahrt abfuhr. Alle paar Minuten wischte ich mit den Daumen die Gläser innen ab, wobei die einhändigen Passagen mit dem Wind in der Abfahrt nicht sonderlich lustig waren. (Oje, ich fürchte meine Mutter wird den Bericht auch lesen – huhu Mami! – also erspare ich euch und ihr weitere Geschichten von der Abfahrt ;) .)

Ich sehnte das Ende der Abfahrt herbei und den nächsten Anstieg, den Nassfeldpass, der sehr schön gleichmäßig zu fahren war und wo ich endlich wieder auftaute. Zu dem Zeitpunkt war ich noch sehr guter Dinge: die Beine waren perfekt – nach 4h geht’s mir immer am besten ;) – und ich fuhr konstant zügig hoch, zu Beginn schaute ich nichtmal auf die Watt, da ich auf meinen Körper hören wollte, um mir Reserven fürs Ende aufzuheben und verbrachte die kurze feel-good Phase mit Essen, was ja nie ein Fehler ist auf längeren Strecken. Ich überholte einige Leute und auch Nadja war außer Sichtweite. Ich fuhr alleine; unsere Gruppe hatte sich irgendwie am Ende des Lanzenpasses verloren, einige waren ja abgerissen, vielleicht hatten sich andere Jacken geholt; zumindest von Alistair weiß ich, dass er vor mir abgefahren war; ich holte ihn und einen Kollegen am Ende des Nassfeldpasses ein und freute mich sehr – nicht nur, weil er so wie alle, die ich vom BikeExpress Team kenne, ein super Typ ist, sondern auch weil er mit seinen Abfahrkünsten (gerade bei Nässe!) und seinem Engagement im Flachen wohl die Leidenszeit verkürzen würde.

“Hoppauf Mädl, komm gut nach Lienz!” – wünschte mir der freundliche Helfer oben bei der Verpflegungsstelle am Nassfeldpass. Superschnelle Abfahrt (gemessen an den Bedingungen) – danke Alistair fürs Vorfahren!! Dann kam ein längerer flacher Teil nach Kötschach, der dann in eine Art Anstieg auf den Kartitscher Sattel übergeht. Wir sammelten ein paar weitere Fahrer ein und arbeiteten im Flachen gut zusammen. Das Wetter war zwar besch…en aber ich hatte keine Zweifel, das Ding ins Ziel bekommen. Ich war bisher immer recht wetterresistent  gewesen und diverse Pässe bei miserabelsten Bedingungen in kurz-kurz abgefahren. Jacken sind ja für Weicheier :D .

Tja, aber 4h Frieren ist dann doch etwas anderes… Zuerst hörten meine Hände auf zu funktionieren. Ich konnte nicht mehr schalten, was bei der SRAM natürlich besonders pricklend ist, wenn man ständig statt runter rauf schaltet; teils drückte ich kurze Anstiege am großen Kettenblatt durch, weil ich nicht aufs kleine kam… Die Kälte fraß sich in meinen Körper. Ich fragte verzweifelt nach einer Jacke, aber niemand hatte was (und ich natürlich kein Betreuerfahrzeug). Irgendwann hörten auch meine Beine auf, mir zu gehorchen, es war alles wie betäubt. Ich kann es jetzt im Nachhinein gar nicht mehr richtig beschreiben. Als ich bei der Verpflegungsstelle vor der Sattelhöhe vom Rad abstieg, um aufzugeben, wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war – ich konnte kaum gehen und im Gasthaus ließen sie mich hinlegen, ich dachte ich würde bewusstlos vor Kälte. War dann zum Glück nicht so und langsam wurde ich unter einem Berg Decken wieder lebendig. Allerdings war die Rettung verständigt worden und so kam ich (nach etwas Wartezeit, da alle Wagen aufgrund der vielen Unfälle im Einsatz waren) ins Krankenhaus, wo man mich nochmal durchcheckte. Nach gut 2h hörte ich zu zittern auf und dann ging es mir halt so, wie es einem geht, wenn man einen fast-Supergiro Dolomiti gefahren ist ;) .

Nadja musste leider auch wegen der Kälte ausstiegen. Mona brachte das Ding ins Ziel – Respekt!!

Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Geschichte zurück. Natürlich ärgert es mich, nicht gewonnen zu haben, aber andererseits ist es eh für niemanden außer mir selbst mittel-  oder langfristig von Interesse, was auf irgendeiner Radmarathon-Ergebnisliste steht. Am Ende muss nur ich mit meiner Leistung zufrieden und wenn ich mir meine Entwicklung so ansehe, bin ich das zu 100%.

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